Wein

Wer im Weinbusiness mit amerikanischen Kunden zu tun hat, kennt das Problem. Nachdem man im Detail alle Eigenschaften eines Weines, einschließlich der Besonderheiten des gewählten Jahrgangs und der Arbeitsweise des Winzers dargestellt hat, kommt die fatale Frage: «which serving temperature do you recommend»? Kein Problem, könnte man denken, denn korrekt auf alle Fragen zu antworten, die einen zum Verkauf stehenden Wein betreffen, gehört zum Handwerkszeug eines professionellen Sommeliers oder eines Verkäufers im Weinhandel. Bei der Frage nach der empfohlenen Trinktemperatur benützen viele die von der Associazione Italiana Sommelier, der weltweit größten professionellen Sommelier-Vereinigung entwickelte Skala. Daneben gibt es freilich auch im einen oder anderen Detail abweichende Skalen, denn in Fragen der richtigen Trinktemperatur herrschen bisweilen unterschiedliche Auffassungen. Da diese Unterschiede stark mit der Kultur eines bestimmten Landes, mit dessen klimatischen Bedingungen und Traditionen zu tun haben, besteht kaum Hoffnung, diese eines schönen Tages durch eine allgemein akzeptierte Tabelle zu beseitigen.

Trinktemperatur Wein FahrenheitDas wirkliche Problem der richtigen Trinktemperatur, ist jedoch ein anderes. Solange man mit einem Engländer, einem Australier oder einem Franzosen zu tun hat, kann man die Temperaturempfehlung problemlos in Celsius abgeben. Mit amerikanischen Kunden verhält es sich hingegen anders, benützt man doch in den Vereinigten Staaten - sowie im mittelamerikanischen Staat Belize - die 1742 von dem deutschen Physiker Daniel Gabriel Fahrenheit entwickelte Temperaturskala. Ihr zufolge gefriert Wasser bei 32°F und kocht bei 212°F.

Wer aber mit Wein an Stelle von Eis oder Tee handelt, benötigt etwas mehr als diese beiden praktischen Eckpunkte. Um Celsius in Fahrenheit umzurechnen, muss man die jeweilige Temperatur in Celsius mit 1,8 multiplizieren und dann 32 hinzuzählen. Das im Kopf auszurechnen, dürfte in der Eile des Geschäftslebens nicht einfach sein. Will man sich also nicht mit dem Taschenrechner in der Hand vor dem Kunden präsentieren, muss man sich ein paar Zahlen mehr einprägen.

 

Empfohlene Trinktemperatur Wein und Sekt

WEINART

 

CELSIUS

FAHRENHEIT

Trockene Schaumweine                                                                      

 

4 - 6 °C  

40 - 43°F

Süße Schaumweine und Perlweine                                                   

 

6 - 8°C   

43 - 47°F

Junge Weiß- und Roséweine                                                              

 

8 - 10°C

47 - 50°F

Weißweine mittleren Körpers, aus teilgetrockneten Trauben oder weiße Likörweine                                                                       

 

10 - 12°C      

50 - 54°F

Roséweine mit Struktur, leichte Rotweine mit geringem Tanningehalt                                                                                         

 

12 - 14°C      

54 - 57°F

Rotweine mittleren Körpers und Tanningehalt, rote Süßweine aus teilgetrockneten Trauben, rote Likörweine                            

 

14 - 16°C      

57 - 60°F

Rotweine von grosser Struktur und deutlichem Tanningehalt, Portweine   

 

16 - 18°C

                      60-65°F  

Temperaturangabe nach  AIS Editore, Il Mondo del Sommelier, Milano 2012, S.396.

Keine Sorge, wie man sieht, lässt sich die Weintemperaturskala bequem in drei Gruppen einteilen. In dieser Weise fasst man die sparkling wines, die jungen Weiß- und Roséweine in einer ersten Gruppe zwischen 40° und 50°F zusammen, während Weißweine von mittlerem Körper, Weißweine aus teilgetrockneten Trauben, weiße Likörweine, Roséweine mit Struktur, leichte Rotweine sowie Rotweine mittleren Körpers und Tanningehalt und auch rote Likörweine in der zweiten Gruppe zwischen 50° und 60°F anzusiedeln sind. In der dritten Gruppe von 60° bis 65° F bleiben dann nur noch die großen, lagerfähigen Rotweine mit deutlichem Tanninghealt und die ports. Diese Dreiteilung mag manchem etwas grobschlächtig erscheinen aber sie hat den Vorteil, leicht erinnerbar zu sein, wenn ein Kunde mit der Frage aufwartet: «which serving temperature do you recommend»?.

Ulrich Kohlmann